Liebe Patienten,


die Bilder, die wir in den letzten Tagen und Wochen im Fernsehen und in unserer unmittelbaren Umgebung sehen, sind noch Anfang des Jahres unvorstellbar gewesen. 

Das Erliegen des öffentlichen Lebens und die Einschränkungen im privaten Bereich

 - bis jetzt undenkbar.

Das alles verunsichert und macht Angst.

Lassen Sie mich etwas über Angst sagen:

Angst ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens und Überlebens, sie entsteht in den ältesten Teilen unseres Gehirns, unter anderem in dem so genannten Reptiliengehirn. 

Hier finden, von uns völlig unbemerkt, wichtige Steuerungsprozesse ( Stoffwechselvorgänge, Regulierung der Körpertemperatur und des Herzschlags und die Steuerung der Atmung) statt.

Wenn wir um unser Leben fürchten, wird genau dieses Areal vermehrt aktiviert und wir reagieren evolutionsbedingt auf drei Arten, die untereinander wechseln können: 

Angriff, Flucht oder Totstellreflex ( Schreckstarre) - wir befinden uns im Überlebensmodus und für andere Gedanken, logisches und geplantes Denken ist nicht mehr viel Platz.

In der Tierwelt dauert dieser Modus nicht sehr lange - entweder ich werde gefressen oder ich entkomme oder ich schalte den Gegner aus.

Viele von uns haben momentan Angst: Angst vor Ansteckung, Angst um liebe Angehörige, um die Eltern, Geschwächten und Kranken.

Viele von uns haben große existentielle Ängste - all die Selbstständigen, Freiberufler, Künstler, Landwirte - es weiß niemand zur Zeit, was sich wirtschaftlich entwickeln wird, wo wir stehen werden, wie es uns ergehen wird.

Das bedeutet, wir befinden uns permanent im Überlebensmodus, im Dauerstress.

 Das gesamte Nervensystem ist dauerhaft belastet, bestimmte Stoffe ( z. Bsp. Adrenalin) werden vermehrt ausgeschüttet, auf die der Körper reagiert, u.U. mit Schlafstörungen, Herzrasen, Gedankenkreisen, Nervosität, etc. Dies verstärkt die Angst und Anspannung, darauf reagiert der Körper und das Nervensystem wiederum und so sind wir gefangen in einer Problemtrance und sind weder in der Lage, uns selbst daraus zu befreien noch hilfreiche Ideen und Gedanken zu entwickeln. Im Gegenteil: wir reagieren kopflos und voller Panik.

Ja, in dieser Zeit, in der unser gewohntes Leben auf den Kopf gestellt ist, ist es schwierig bis unmöglich, sich vorzustellen, wie es "Danach" aussehen wird ( wann auch immer dieses "Danach" sein wird), wie es dann weiter gehen wird - wann wir wieder in Sicherheit sind.

Wir werden uns neu sortieren müssen.

Alles, was wir jetzt tun können ist, auf uns und unsere Mitmenschen zu achten, uns und andere zu schützen und die Spirale der hilflosen Angst zu überwinden.


Wenn Sie dabei Unterstützung brauchen, melden Sie sich - gerne helfe ich Ihnen im persönlichen Gespräch (selbstverständlich unter allen notwendigen hygienischen Bedingungen, ggf. mit Mundschutz und Handschuhen) oder auch in einer telefonischen Beratung das Gedankenkarussell zu verlassen.



∼ Er ist's ∼

Frühling läßt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

– Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist's!

Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804 – 1875)